Geschichte des Shelby R-Models 5R107
History of the Shelby Competition Model 5R107



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Vorwort aus der Clubzeitung 4/97

Zeitlosigkeit wird immer wichtiger in unserer schnellebigen Zeit. Das gilt nicht nur für das hier veröffentlichte Vorwort, denn beim letzten Mal dauerte es nun mal fast 3 Monate, bis das Heft gedruckt war, aber so kann es gehen, wenn alle Beteiligten nebenbei Geld für Ihr Hobby verdienen müssen. Ich werde mich bemühen, hier also aktuelle Dinge wegzulassen, die findet Ihr eher dann am Ende im Nachwort, denn das wird eben in enem kürzeren Abstand zum Druck geschrieben. Machen wir den Zeitfaktor aber nicht zum wichtigsten Punkt. Erinnerungen sind zeitlos und das Salz in der heutigen Zeit. Als Friedhelm Theissen 1967 in einem der 36 R-Shelbys die Rundstrecken beherrschte, hatte er noch nicht daran gedacht, daß er 30 Jahre später hier in unserer Clubzeitung seine Erinnerungen mit uns teilen würde. Auch hat er damals sicher nicht geahnt, daß sein R-Shelby eines Tages um die 180.000 bis 200.000 $ wert sein würde, sonst hätte er ihn sicher nicht verkauft. Die Erinnerungen an eine glorreiche Zeit kann ihm aber niemand nehmen, und er hat gerne bereitwillig Auskunft erteilt. Vielleicht können wir Ihn ja jetzt noch in die Mustang-Welt zurückholen.

Das Interview:

Ex-Shelby-Racer Friedhelm Theissen

Autor: Wolfgang Kohrn

Ein Artikel von mir in der August-Ausgabe der Oldtimer-Praxis unter der Rubrik "Leser helfen Lesern" brachte interessante Hinweise aus der Bevölkerung, wie man es in XY-Kreisen so nennt. Hier die Story von 5R107, ein weiterer Beitrag zur Geschichtsaufklärung der Rennversionen des Shelby GT350 in Europa.

Durch einen Tip erfuhr ich den Aufenhaltsort des Rennfahrers Friedhelm Theissen, der wie bereits in der Clubzeitschrift 1/97 berichtet mit 95 Punkten den 3.Platz der deutschen Rundstrecken-Meisterschaft 1967 auf einem Shelby erreichte. Hier das Interview:

Red: Können Sie uns etwas näheres über die Vorgeschichte Ihres Shelby berichten?

"Bei dem Shelby handelte es sich um das Fahrzeug von Jochen Neerpasch, dem damaligen Rennleiter von Ford, der damals mit Freiherr von Wendt eine Renngemeinschaft unterhielt. Das Fahrzeug habe ich dann 1967 in den Rundstreckenrennen überwiegend auf deutschen Rennstrecken, u.a. auch auf dem GP am Nürburgring im August gefahren.

Red: Bei welchen Rennen haben Sie teilgenommen?

Erinnern kann ich mich noch an folgende weitere Renneinsätze

1000km-Rennen auf dem Nürburgring Platz 1
Hansa-Pokal Platz 1
ADAC Mittelrhein Platz 1
Avus Platz 1
Zolder Platz 3

Ich habe alle Läufe zur Deutschen Meisterschaft 1967 gefahren, dabei habe ich 9 mal Platz 1, 2 mal Platz 2 und 1 x Platz 3 im letzen Lauf in Zolder belegt. Rückblickend muß ich sagen, daß der Wagen schwer zu fahren war. Mein Hauptkonkurrent war Klaus Fritzinger, der mit seinem Shelby-Nachbau mir oft im Nacken saß.

Red: Gab es oft Reparaturen?

Der Shelby lief sehr zuverlässig. In der ganzen Saison war keine Reparatur oder Überholung notwendig, lediglich vor dem Zolder Rennen brach eine Steckachse und ich mußte einen Ersatzwagen nehmen, daher auch nur Platz 3".

Red.: Können Sie sich noch an besondere Ereignisse erinnern?

"Ja, beim 1000 km-Rennen auf dem Nürburgring in der 41. Runde, also 3 Runden vor Schluß, platzte mir vorne links der Reifen, ich hatte allerdings einen so großen Vorsprung, daß ich trotzdem noch Platz 1 belegen konnte."

Red: Kennen sie noch andere R-Shelbys aus dieser Zeit?

"Der R-Shelby 5R107 von Jochen Neerpasch war meines Wissens der einzige R-Shelby, der nach Deutschland kam.

* 5R107 wurde zusammen mit 5R209 am 3. Sept. 1965 per Seetransport an Ford Advanced Vehicles in England ausgeliefert. 5R209 wurde dann an die Ecurie Felipinetti in der Schweiz ausgeliefert. (Fahrer Peter Schetty) (Quelle Shelby American World Registry 1996)

Modifiziert wurde er allerdings noch von John Wyer von Ford Advanced Vehicles in Slough/Bucks./UK, über die er auch an Neerpasch ausgeliefert worden war. Das Kennzeichen damals lautete PKX 276D und damit bin ich die Saison 67 über auch gefahren."

Red: Was geschah dann mit dem Fahrzeug?

"Ich habe später das Fahrzeug nach Nürnberg verkauft, von dort ging es weiter nach Frankfurt. Irgendwann ist das Fahrzeug dann nach USA, genauer gesagt, Florida verkauft worden. Der neue Besitzer hat mich vor einigen Jahren sogar mal besucht und ich habe ihm die meisten Erinnerungsstücke mitgegeben. Ein paar Bilder habe ich allerdings noch, von denen Ihr hier eines abgedruckt seht."



Die Spur führt nach USA:

Hr. Weißbrot, der selbst 2 Shelbys (einen 68er GT500KR und ein 69er Convertible) besitzt und sich in der Szene auskennt, gab noch Hinweise über den weiteren Verlauf der Historie von 5R107. Nächster Besitzer war Will Hestermann, bekannt aus Dragster-Kreisen in Hanau. Das Fahrzeug tauchte dann im Rhein/Main-Gebiet auf. Der Rundstreckenrennfahrer Jürgen Karich fand es in üblem Zustand - mit Gras durchwachsen und eckigen Kotflügelverbreiterungen. 1989 schließlich wurde 5R107 von Dr. Kesselmann (über einen Mittelsmann) an einen Craig Conley aus USA verkauft. Craig Conley ist Besitzer von Paradise Wheels in Florida."

Craig Conley meldete sich im Sept. 2002 selbst: 
"Hallo, die Informationen sind überwiegend korrekt, allerdings habe ich den Wagen nicht von Dr. Kesselmann direkt gekauft, sondern von jemand anders. 
Ich habe das Shelby-Typenschild noch von Z.Kesselman/Evans bekommen, nachdem sie es auf dem Platz von Willy Hestermann zunächst entfernt hatten. Die ganze Geschichte wird demnächst im Shelby American Magazin veröffentlicht. Ich habe über 4 Seiten über die Historie geschrieben. Der R107 hatte 17 Vorbesitzer und ist in vielen Ländern bei Rennen gemeldet worden, auch in der Ex-DDR. Ich habe 2 Original ONS Rennpässe, weil er über 10 Jahre gefahren wurde. Dann wurde er nochmals als 1971er Mustang registriert. Damit hätte er nämlich noch 10 Jahre gefahren werden können. Die aktive Rennzeit des Wagens dauerte aber bis 1980. Es gibt noch viel mehr zu erzählen, wenn ich Zeit habe und besser am Computer bin, dann sende ich noch mehr Bilder." mfG Craig Conley. 

2. Augenzeuge: Hauptkonkurrent Klaus Fritzinger

Der auf dem 6. Platz der Rundstreckenmeisterschaft 1967 platzierte Fahrer Klaus Fritzinger hat keinen echten Shelby gefahren. Sein Fahrzeug war ein Nachbau. Auf einem Bild des ADAC-Mittelrhein-Rennens könnt Ihr ihn hinter dem R-Shelby von Friedhelm Theissen entdecken. Klaus Fritzinger konnte dank eines Hinweises ebenfalls ausfindig gemacht werden. Er betreibt heute noch eine Toyota-Niederlassung und ist auch sehr lange noch mit Toyota Rundstrecken gefahren. Heute fährt er einen Datsun 240Z (2010).Klaus Fritzingers Mustang gehört heute Roger Cortani. 

5R107 selbst wurde nach einer begonnenen Restauration von Craig Conley (2002-2006) inzwischen von Cobra Automotive zu Ende restauriert (2006) und hat bereits mehrfach den Besitzer gewechselt. Mitte 2011 wurde er von Colin Comer an einen neuen Besitzer in der Schweiz verkauft.


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The Interview:

Ex-Shelby-Racer Friedhelm Theissen

Author: Wolfgang Kohrn

This interview was held in August 1997 with the former race driver of the Shelby SFM 5R107. He owned the car in 1967 and raced it during that season.. He succeeded to achieve the 3rd. place of the German Circle Track Championchip '67 with this Shelby GT350.

Ed: Can you tell us something about the history of 5R107 before you bought it?

"The Shelby GT350R belonged to Jochen Neerpasch, the former race team leader of Ford, who had another race team with Freiherr von Wendt those days. I bought the car and later used in the 67 circle track races mainly throughout Germany, but beside that  in some neighbouring european countries, too. One of these races was the GP at the Nürburgring in August. Some of you might have already seen a picture in the "Shelby American #56".

Ed: In which races did you participate?

"Following races come to my mind:

1000km-Rennen at the Nürburgring finished Platz 1
Hansa-Pokal finished Platz 1
ADAC Mittelrhein finished Platz 1
Avus / Berlin finished Platz 1
Zolder / Belgium finished Platz 3

I participated in all races of the German Championchip 1967 and finished 9 times 1st place, 2 times 2nd place and 3rd place in Zolder/Belgium. Thinking back, I have to say that the GT350 was really hard to steer compared to previous cars I drove. My main competitor was Klaus Fritzinger, who raced a Shelby-replica, which he had modified by himself. Many times he was close to my rear wheels."

Ed: Did you experience many repairs?

"The Shelby was really reliable. There was no repair or overhauling necessary during the whole season, except for one incident. In the last race in Zolder one of the rear axles broke and I had to use a replacement car. That's why I finished only 3rd place."

Ed.: Can you remember any other incidents?

" Yes, during the 1000 km-race at the  Nürburgring and being in the 41. lap, which means 3 laps remaining, the left front tire blew. Fortunately I had enough distance between me and the second car, so I could finish first place despite this incident."

Ed: Do you know about any other R-Shelbys from that time?

"The Shelby 5R107 from  Jochen Neerpasch was the only R-Shelby according to my memory, which went to Germany. *  Before it went to Germany, however it was modified by John Wyer of Ford Advanced Vehicles in Slough/Bucks./UK. The car still carried the original license plate PKX 276D and it was still on the car, while I raced it in the 67 season."

Ed: What happened later to 5R107?

"I sold the car to the Nürnberg area, then later I heard, it went to Frankfurt. Some years later, it was sold back to the U.S., The new owner, a Florida man visited me some years ago and I handed most of my personal memorabilias to him. Some of the picture remained in my files and you can watch them on this website of the First Mustang Club of Germany for the first time."

Remark: * 5R107 was shipped together with 5R209 on Sept.3rd, 1965 by sea to Ford Advanced Vehicles in Great Britain   5R209 was later delivered to "Ecurie Felipinetti", a racing team in Switzerland. (Driver Peter Schetty) (Quelle Shelby American World Registry 1996). We have also records of 5R209 and its racing successes. 

Additional information on 5R107 by another eye-witness:

Mr. Weißbrot, who himself owns 2 Shelbys (a '68 GT500KR and a '69 Convertible) reports, that after Friedhelm Theissens ownership the car went to Will Hestermann, a well-known Dragster-Driver in the Hanau area of Germany, where many US-army staff members raced their "hot-wheels"..The Shelby later appeared in the Rhine/Main area. The circle track driver Jürgen Korisch found it in a bad shape - frame grass-routed all over and rectangular shaped fender extensions. In 1989 it was sold by  Dr. Kesselmann* to Craig Conley and went back to the U.S.. Craig Conley is the owner of Paradise Wheels in Florida.

Additional comment from Craig Conley, past owner of 5R107:  
"The info on R107 is somewhat correct, but not all. I do have the original tag, I got it from Z.Kesselman /Evans after he took it off my car when it was at the yard of  Willy Hestermann. *I did not buy the R from Kesselman, but from somebody else. I don't have the time right now but when the R is restored I will have a complete story for the Shelby American Magazine. I have over 4 pages of history written out. The R107 had 17 different owners and raced in many countries including the DDR ( East Germany). I have the 2 original ONS log books because it was raced for 10years, then rerigistered as a 1971 Mustang so it could race another 10 years. Maybe you will find some more pictures of this R107, because it raced so often in Europe from 1965 to 1980. Like I said too much history to talk about now.  When I get better at the computer I will email you many pictures I have of R107 racing in Europe. Best regards"  Craig Conley

The car was in Craigs hands from 2002-2006 and restored, finished by Curt Voigt and his Cobra Automotive team on behalf of a customer after they bought it, then sold again to Colin Comer and finally is in the hands of somebody in Switzerland (2011)

 
5R107 in Lupfig/Switzerland as of August 2011.